HR Analytics: Kennzahlen für KMU
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HR Analytics: Welche Kennzahlen die Personalabteilung im Mittelstand wirklich tracken sollte
Datenbasierte Entscheidungen sind längst kein Privileg von Großkonzernen mehr. Auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) profitieren enorm davon, wenn sie ihre Personalarbeit auf Basis von Fakten statt Bauchgefühl gestalten. HR Analytics, also die systematische Analyse von Personaldaten, ermöglicht dir, Recruiting-Kosten zu senken, Mitarbeitende gezielt zu binden und Fluktuation frühzeitig vorzubeugen. Gerade im Mittelstand, wo jede Neueinstellung zählt und Ressourcen begrenzt sind, kann die richtige Kennzahl den Unterschied zwischen Erfolg und Stillstand ausmachen. In diesem Guide erfährst du, welche HR-Kennzahlen für KMU wirklich relevant sind, wie du HR Analytics Schritt für Schritt einführst und welche Tools dich dabei unterstützen.
Was ist HR Analytics? Definition und Abgrenzung
HR Analytics (auch HR Data Analytics genannt) bezeichnet die systematische Sammlung, Auswertung und Interpretation von Personaldaten, um fundierte Entscheidungen im Personalmanagement zu treffen. Dabei werden verschiedene HR-Data-Quellen miteinander verknüpft und analysiert. Die Quellen erstrecken sich von Bewerbungszahlen über Fluktuationsraten bis zu Weiterbildungsstunden. Das Ziel besteht darin, Muster zu erkennen, Zusammenhänge zu verstehen und Handlungsempfehlungen abzuleiten, die direkt auf die Unternehmensstrategie einzahlen.
HR Analytics vs. HR Controlling: Welche Zwecke verfolgen sie?
Das klassische HR Controlling beschränkt sich auf die Dokumentation vergangener Ereignisse. HR Analytics geht darüber hinaus und setzt statistische Methoden und zunehmend Künstliche Intelligenz ein. Dadurch wird es möglich, nicht nur zu beschreiben, was geschehen ist, sondern auch zu erklären, wie es dazu kam. Auf Basis dieser Daten lassen sich dann auch Vorhersagen für die Zukunft treffen .
HR Analytics vs. People Analytics: Gibt es einen Unterschied?
Die Begriffe HR Analytics und People Analytics werden häufig synonym verwendet. Das ist in den meisten Fällen auch korrekt. Theoretisch lässt sich jedoch eine feine Nuance erkennen: HR Analytics fokussiert sich stärker auf die Funktionsweise der Personalabteilung selbst, etwa auf KPIs wie Time-to-Hire oder Recruiting-Kosten. People Analytics hingegen nimmt eine breitere Perspektive ein und betrachtet Mitarbeitende und deren Verhalten, Engagement und Performance im gesamten Unternehmenskontext.
Für die Praxis in KMU ist diese Unterscheidung jedoch weniger relevant. Entscheidend ist, dass du Personaldaten strategisch nutzt – unabhängig davon, ob du es HR Analytics, People Analytics oder auch Talent Analytics nennst.
Besonderheiten von HR im Mittelstand
Personalabteilungen in KMU stehen vor spezifischen Herausforderungen, aber auch Chancen, die sich deutlich von denen in Großkonzernen unterscheiden:
• Limitierte Ressourcen und Kapazitäten: Oft kümmern sich nur eine oder zwei Personen um alle HR-Themen, von der Lohnabrechnung bis zum Recruiting.
• Pragmatischer Ansatz statt Konzernstrukturen: KMU benötigen keine komplexen Data-Warehouse-Lösungen, sondern praktikable, schnell umsetzbare Methodiken.
• Schnelle Anpassungsfähigkeit als Vorteil: Mittelständische Unternehmen können Erkenntnisse aus HR Analytics oft schneller umsetzen als große Organisationen mit starren Hierarchien.
• KMU-Fokus auf Basics: Während Konzerne mit präskriptiven Datenanalysen und KI-Modellen arbeiten, profitieren KMU eher von deskriptiven und diagnostischen Auswertungen.
Welche HR-Kennzahlen erheben mittelständische Unternehmen typischerweise?
Die Auswahl der richtigen Kennzahlen ist entscheidend für den Erfolg deiner HR-Analytics-Strategie. Im Mittelstand haben sich folgende Kategorien als besonders relevant erwiesen:
Effizienz-Kennzahlen im Recruiting
Recruiting ist für viele KMU eine der größten Herausforderungen. Diese Kennzahlen helfen dir, den Einstellungsprozess zu optimieren:
• Time-to-Hire: durchschnittliche Dauer von der Stellenausschreibung bis zur Vertragsunterzeichnung
• Cost of Vacancy: Kosten einer unbesetzten Stelle
• Cost per Hire: Recruiting-Gesamtkosten geteilt durch Anzahl der Neueinstellungen
• Recruiting-Funnel: Verhältnis Bewerbungen → Interviews → Einstellungen. Daran erkennst du, an welcher Stelle Bewerbende abspringen.
• Source-of-Hire: Kanäle, über die die besten Bewerbungen kommen
• Retention Rate nach der Probezeit: Anteil der Mitarbeitenden, die nach der Probezeit bleiben. Eine niedrige Rate deutet eventuell auf Probleme im Onboarding hin. Vertiefende Informationen zu diesem Thema findest du in unserem Artikel über die Gestaltung eines positiven Onboarding-Prozesses.
Bindungs-Kennzahlen
Die Bindung von Mitarbeitenden ist gerade in Zeiten des Fachkräftemangels Gold wert. Diese KPIs zeigen dir, wie sehr sich deine Belegschaft deinem Unternehmen zugehörig fühlt:
• durchschnittliche Betriebszugehörigkeitsdauer
• Fehlzeitenquote (ohne Urlaub)
• Fluktuationsrate im gewählten Zeitraum
• durchschnittliche Gehaltssteigerung pro Jahr
• interne Weiterbildungsquote
• eNPS (Employee Net Promoter Score) zur Weiterempfehlungsbereitschaft
Eine hohe Fehlzeitenquote oder eine hohe Fluktuationsrate können auf Unzufriedenheit in der Belegschaft hinweisen, etwa wegen Burnout, zu gering empfundenem Gehalt, der allgemeinen Stimmung im Unternehmen (z. B. Bossing oder anderes Mobbing) oder fehlenden Weiterbildungsmöglichkeiten.
Leistungs-Kennzahlen
Diese Kennzahlen verknüpfen HR-Daten direkt mit der Unternehmensperformance:
• Umsatz pro Person
• Arbeitsstunden und Produktivität
• Zielerreichungsrate
• Return on Training Investment (ROTI), also das Verhältnis der Trainingskosten zum Nutzen
Weiterbildungs-Kennzahlen
Investitionen in die Entwicklung von Mitarbeitenden zahlen sich langfristig aus. KMU investieren mehr in die Weiterbildung ihrer Beschäftigten als größere Unternehmen oder Konzerne. Diese KPIs helfen bei der Steuerung:
• freiwillige Trainingsstunden pro Person
• Zeit für Führungskräfteschulungen
• Ausgaben für Training und Weiterqualifizierung im Verhältnis zu den Personalkosten
Die folgende Tabelle gibt dir einen kompakten Überblick über die wichtigsten HR-Kennzahlen für KMU:
| Kategorie | Kennzahl | Kurzbeschreibung | Typischer Nutzen im KMU |
| Recruiting | Time-to-Hire | Dauer von Ausschreibung bis Vertragsunterzeichnung | Recruiting rechtzeitig starten, Engpässe erkennen |
| Recruiting | Cost of Vacancy | Kosten einer unbesetzten Stelle | Recruiting rechtzeitig starten, Engpässe erkennen |
| Recruiting | Cost per Hire | Recruiting-Gesamtkosten / Anzahl Neueinstellungen | Budget steuern, Kanäle und Prozesse optimieren |
| Recruiting | Recruiting-Funnel | Verhältnis Bewerbungen → Interviews → Einstellungen | Abbrüche im Prozess erkennen und beheben |
| Recruiting | Source-of-Hire | Verteilung der Einstellungen nach Kanälen | Budget auf wirksame Kanäle verschieben |
| Recruiting/ Bindung | Retention Rate nach Probezeit | Anteil der Mitarbeitenden, die nach Probezeit bleiben | Qualität von Auswahl und Onboarding prüfen |
| Bindung | Durchschnitt-liche Betriebszuge-hörigkeit | Durchschnitt der Jahre im Unternehmen je Bereich/ Kohorte | Bindungsstärke und Problemzonen erkennen |
| Bindung | Fehlzeitenquo-te | Anteil der Abwesenheits-tage ohne Urlaub | Hinweis auf Belastung, Gesundheit, Unzufrieden-heit |
| Bindung | Fluktuationsra-te | Abgänge im Zeitraum / durchschnitt-licher Personalbe-stand × 100 | Abgänge im Zeitraum / durchschnitt-licher Personalbe-stand × 100 |
| Bindung | Durchschnitt-liche Gehalts-steigerung | Durchschnitt der jährlichen Ge-haltsentwick-lung | Marktgängig-keit, Fairness und Budget steuern |
| Bindung | Interne Weiterbildungsquote | Anteil der Mitarbeitenden mit Schulung im Zeitraum | Lernkultur und Entwicklungs-chancen messen |
| Bindung | eNPS (Employee Net Promoter Score) | Empfehlungsbereitschaft als Arbeitgeber (0–10-Skala) | Stimmung und Arbeitgeberat-traktivität bewerten |
| Leistung | Umsatz pro Person | Gesamtumsatz / Mitarbeitendenzahl | Produktivität und Wachstum im Mittelstand steuern |
| Leistung | Arbeitsstunden und Produktivität | Verhältnis Arbeitsstunden zu Output | Unter- bzw. Überbesetzung und Effizienz erkennen |
| Leistung | Zielerreichungs-rate | Zielerreichungs-rate | Beitrag von Teams/Perso-nen zu Unternehmenszielen messen |
| Leistung/ Weiterbildung | Return on Training Investment (ROTI) | Produktivitätsnutzen von Trainings im Verhältnis zu den Kosten | Wirksamkeit von Weiterbildungs-investitionen bewerten |
| Weiterbildung | Freiwillige Trainingsstun-den | Durchschnittliche Stunden freiwilliger Weiterbildun-gen pro Person | Intrinsische Motivation und Lernkultur sichtbar machen |
| Weiterbildung | Führungskräfteschulungen | Schulungsstunden für Führungskräfte | Führungsqualität und Entwicklungslü-cken adressieren |
| Weiterbildung | Ausgaben für Training/Weiterqualifizierung | Weiterbildungsaufwand im Verhältnis zu Personalkosten | Budgethöhe und Priorität von Lernen steuern |
Die vier Arten von HR Analytics und ihre KPIs
HR Analytics lässt sich in vier Reifegrade einteilen, die aufeinander aufbauen. Jede Stufe beantwortet unterschiedliche Fragen und erfordert verschiedene Analyseverfahren:
Deskriptive Analytik – Was ist passiert?
Die deskriptive Analytik ist die Basis jeder HR-Analytics-Strategie. Sie beschreibt vergangene Ereignisse und liefert einen Überblick über den aktuellen Zustand.
• Typische Fragen: Wie hoch war die Fluktuation im letzten Quartal? Wie viele Bewerbungen haben wir erhalten?
• Beispiel-KPIs: Anzahl Neueinstellungen, durchschnittliche Betriebszugehörigkeit, Krankenquote, Überstundensaldo
• Praktischer Nutzen für KMU: Deskriptive Analysen sind schnell umsetzbar und liefern sofort verwertbare Erkenntnisse. Sie bilden die Grundlage für alle weiteren Analyseformen.
Diagnostische Analytik – Warum ist es passiert?
Die diagnostische Analytik geht einen Schritt weiter und untersucht Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge.
• Typische Fragen: Warum ist die Fluktuation in der Vertriebsabteilung höher als in anderen Bereichen? Welche Faktoren beeinflussen die Mitarbeitendenzufriedenheit?
• Beispiel-KPIs: Korrelation zwischen Gehalt und Fluktuation, Zusammenhang zwischen Weiterbildung und Performance, Einfluss von Führungskräften auf die Bindung von Mitarbeitenden
• Praktischer Nutzen für KMU: Du verstehst nicht nur, was passiert ist, sondern auch, warum. Das ermöglicht gezielte Gegenmaßnahmen.
Prädiktive Analytik – Was wird passieren?
Prädiktive Analytik nutzt statistische Modelle und maschinelles Lernen, um zukünftige Entwicklungen vorherzusagen.
• Typische Fragen: Welche Mitarbeitenden werden das Unternehmen wahrscheinlich verlassen? Wie hoch wird der Personalbedarf in sechs Monaten sein?
• Beispiel-KPIs: Fluktuationswahrscheinlichkeit einzelner Mitarbeitender, voraussichtlicher Recruiting-Bedarf, erwartete Krankheitstage
• Praktischer Nutzen für KMU: Du kannst proaktiv handeln, bevor Probleme entstehen. Allerdings erfordert prädiktive Analytik größere Datenmengen und spezialisierte HR-Analytics-Tools.
Präskriptive Analytik – Was sollten wir tun?
Die präskriptive Analytik liefert konkrete Handlungsempfehlungen für die Ergebnisse aus der prädiktiven Analyse.
• Typische Fragen: Welche Maßnahmen sollten wir ergreifen, um die Fluktuation zu senken? Wie sollten wir unser Weiterbildungsbudget verteilen?
• Beispiel-KPIs: optimale Gehaltsbandbreiten, empfohlene Weiterbildungsmaßnahmen pro Person, ideale Team-Zusammensetzung
• Praktischer Nutzen für KMU: Präskriptive Analytik ist für die meisten KMU zu Beginn nicht von Relevanz. Der Fokus sollte zunächst auf deskriptiven und diagnostischen Analysen liegen.
Vor- und Nachteile einer soliden HR-Analytik
Personaldaten strukturiert zu analysieren, ist nicht einfach nur eine weitere bürokratische Aufgabe, sondern kann maßgeblich auf deine Unternehmensziele einzahlen. Dabei gibt es Vor- und Nachteile zu bedenken.
Vorteile für KMU
Eine strukturierte HR-Analytics-Strategie bringt messbare Vorteile:
• Auswirkungen auf Kosten: Du identifizierst teure Recruiting-Kanäle, senkst Fluktuationskosten und optimierst dein Weiterbildungsbudget.
• Auswirkungen auf das Recruiting: Durch Analyse des Recruiting-Funnels verkürzt du die Time-to-Hire und verbesserst die Qualität deiner Einstellungen. Du weißt genau, welche Kanäle die besten Bewerbungen liefern.
• Auswirkungen auf Retention: Frühwarnsysteme erkennen Kündigungsrisiken, bevor Mitarbeitende gehen. Du kannst gezielt Bindungsmaßnahmen ergreifen und wertvolle Fachkräfte halten.
• Auswirkungen auf Leistung: Du verstehst, welche Faktoren die Produktivität beeinflussen, und kannst gezielt in Weiterbildung oder Prozessoptimierung investieren.
• Strategische Entscheidungen: HR verwaltet nicht mehr nur Daten, sondern kann die Geschäftsführung bei strategischen Entscheidungen unterstützen: Datenbasierte Argumente überzeugen etwa bei Budget-Diskussionen.
• Wettbewerbsvorteil: KMU, die HR Analytics nutzen, sind agiler und treffen bessere Personalentscheidungen als Wettbewerber, die auf Bauchgefühl setzen.
Herausforderungen und Risiken
Trotz aller Vorteile gibt es auch Hürden, die du kennen solltest:
• Herausforderung Datenqualität: Ungenaue oder unvollständige Daten führen zu falschen Schlussfolgerungen. Investiere von Anfang an in eine saubere Datenpflege.
• Herausforderung Systemintegration: Daten liegen oft in verschiedenen Systemen (Zeiterfassung, Payroll, Bewerbungsmanagement). Die Zusammenführung der Daten ist aufwendig.
• Korrelation ist nicht Kausalität: Nur weil zwei Kennzahlen zusammenhängen, muss die eine nicht die andere verursachen.
• Datenschutz: Personaldaten sind hochsensibel und die DSGVO-Konformität ist Pflicht. Der Betriebsrat muss eingebunden werden.
• Psychologischer Widerstand: Mitarbeitende fürchten, dass HR-Daten wie Fehlzeiten, Leistungsmetriken und Umfrageergebnisse verknüpft werden und individuelle Risikoprofile entstehen. Daten sollten anonymisiert bzw. aggregiert werden. Es dürfen also keine Einzelprofile entstehen, was die Bedenken mildern sollte.
• Ressourcen-Aufwand: Gerade zu Beginn erfordert der Aufbau von HR Analytics Zeit und Know-how. Ein HR Data Analyst oder die Unterstützung durch ein entsprechendes externes Unternehmen können sinnvoll sein.
So startest du mit HR Analytics im Mittelstand
Der Einstieg in HR Analytics muss nicht kompliziert sein. Folge diesen vier Schritten:
Schritt 1: Schaffung einer deskriptiven Basis
Beginne mit einer Bestandsaufnahme: Welche HR-Daten sind bereits vorhanden? Typische Quellen sind:
• Stammdatensysteme (z. B. SAP, Personio): Personalstammdaten, Verträge, Organisationsstrukturen
• Payroll-Systeme: Gehaltsdaten, Sozialversicherung, Steuern
• Bewerbermanagement-Systeme: Bewerberzahlen, Funnel-Daten, Einstellungsquellen
• Schulungs- und Lernplattformen: Teilnahmen, Zertifikate, Weiterbildungsstunden
• Umfrage- und Feedback-Tools: Mitarbeitendenzufriedenheit, eNPS, Engagement-Scores
• Zeiterfassungssysteme
Erstelle zunächst einfache deskriptive Auswertungen: Wie viele Mitarbeitende haben wir? Wie hoch ist die Fluktuation? Wie lange dauert unser Recruiting?
Schritt 2: Abgleich mit Geschäftszielen und Unternehmensstrategie
Nicht jede Kennzahl ist gleich wichtig. Frage dich: Welche HR-Themen sind für unsere Unternehmensstrategie entscheidend? Wenn dein Unternehmen stark wächst, sind Recruiting-KPIs zentral. Bei hoher Fluktuation fokussierst du dich auf Bindungs-Kennzahlen.
Priorisiere Daten, die unmittelbar auf die Unternehmensstrategie einzahlen. Ein Produktionsunternehmen mit Fachkräftemangel sollte beispielsweise Time-to-Hire und Retention Rate nach der Probezeit tracken.
Schritt 3: Iteratives Vorgehen statt Big Bang
Ist es realistisch, auf einen Schlag alles zu messen? Nein. Starte mit 3–5 Kernkennzahlen und erweitere sie schrittweise. Ein typischer Einstieg könnte so aussehen:
• Monat 1–3: Fluktuationsrate, Time-to-Hire, Cost-per-Hire
• Monat 4–6: Mitarbeitenden-eNPS, Betriebszugehörigkeitsdauer, Retention Rate
• Monat 7–12: Weiterbildungskennzahlen, Produktivitäts-KPIs, diagnostische Analysen
Dieser iterative Ansatz verhindert eine Überforderung und ermöglicht schnelle Erfolge, die dein Team motivieren.
Schritt 4: Daten aus verschiedenen Systemen DSGVO-konform zusammenführen
Die Herausforderung ist, die verstreut liegenden HR-Daten zu Analysezwecken aus verschiedenen Systemen zusammenzuführen. Das muss so geschehen, dass sie DSGVO-konform gespeichert und verarbeitet werden. Definiere Verantwortlichkeiten (etwa eine Ansprechperson für HR-Daten) und lege fest, wer welche Auswertungen sehen darf. Kommuniziere transparent, wofür die Daten genutzt werden (Team- statt Individualfokus), um die Akzeptanz im Unternehmen zu sichern.
Technische Umsetzung: Systeme und Tools für HR Analytics
Für die Konsolidierung und Auswertung deiner HR-Daten stehen verschiedene skalierbare technische Lösungswege zur Verfügung. Sie reichen von einem einfachen und pragmatischen Ansatz bis zur professionellen HR-Analytics-Suite.
ETL-Prozesse zur Datenkonsolidierung
ETL steht für „Extract, Transform, Load“ und beschreibt den Prozess der Datenextraktion, -transformation und -ladung in ein zentrales System. Es geht also darum, Daten aus verschiedenen Quellsystemen zu extrahieren, in ein einheitliches Format zu bringen und in einer zentralen Datenbank oder einem Data Warehouse zu speichern. Anschließend kannst du die Daten in Excel oder Dashboard-Tools wie Power BI oder Tableau aufbereiten.
• Vorteil: flexibel und kostengünstig, da du vorhandene Tools nutzen kannst
• Nachteil: erfordert technisches Know-how und manuelle Pflege
Data Warehousing und Business-Intelligence-Tools
Ein Data Warehouse ist eine zentrale Datenbank, die speziell für Analysen optimiert ist. Business-Intelligence-Tools (BI-Tools) wie Microsoft Power BI, Tableau oder QlikView greifen auf das Data Warehouse zu und erstellen interaktive Dashboards und Reports.
• Vorteil: professionelle Analysen, skalierbar, automatisierte Updates
• Nachteil: höhere Investitionskosten, erfordert IT-Unterstützung
Integrierte HR-Analytics-Software
Moderne HR-Analytics-Tools wie Personio, HRworks oder Factorial bieten integrierte Analysefunktionen. Alle relevanten Daten werden in einem System erfasst und können direkt ausgewertet werden. Eine manuelle Datenkonsolidierung wird damit überflüssig.
• Vorteil: All-in-One-Lösung, einfache Bedienung, keine Systembrüche
• Nachteil: weniger Flexibilität bei individuellen Auswertungen, abhängig vom Funktionsumfang des Anbieters
Die folgende Tabelle vergleicht die verschiedenen technischen Lösungswege:
| Lösungsweg | Vorteile | Nachteile | Geeignet für |
| ETL + Excel/Dash-boards | Flexibel, kostengünstig, nutzt vorhandene Tools | Manueller Aufwand, technisches Know-how nötig | KMU mit IT-Ressourcen, erste Schritte |
| Data Warehouse + BI-Tools | Professionell, skalierbar, automatisiert | Höhere Kosten, IT-Unterstützung erforderlich | Größere KMU, fortgeschrit-tene Analytics |
| Integrierte HR-Analytics-Software | All-in-One, einfach, keine Systembrüche | Weniger Flexibilität, anbieterab-hängig | KMU ohne IT-Abteilung, schneller Einstieg |
KI-Systeme in der HR-Analytik – Use Cases für den Mittelstand
Künstliche Intelligenz revolutioniert das Personalwesen – von automatisierten Bewerbungsprozessen bis zu präzisen Talentprognosen. Auch für KMU gibt es praktische Einsatzmöglichkeiten:
• Automatisierte Fluktuationsprognosen: KI-Algorithmen analysieren Verhaltensmuster (z. B. sinkende Produktivität, weniger Urlaubstage, geringere Teilnahme an Meetings) und warnen frühzeitig vor Kündigungsrisiken.
• Chatbots für Mitarbeitendenanfragen: KI-gestützte Chatbots beantworten Standardfragen zu Urlaubsanträgen, Gehaltsabrechnungen oder Benefits. Sie entlasten so die HR-Abteilung.
• Automatisiertes Bewerbungs-Screening: KI-Tools analysieren Lebensläufe und Anschreiben, identifizieren die besten Kandidatinnen und Kandidaten und reduzieren den manuellen Aufwand im Recruiting.
• Personalisierte Weiterbildungsempfehlungen: Basierend auf Skillprofilen und Karrierezielen schlägt die KI passende Trainings für die Mitarbeitenden vor.
• Sentiment-Analyse von Mitarbeitenden-Feedback: KI wertet offene Textantworten aus Mitarbeitendenbefragungen aus und erkennt Stimmungen, Trends und kritische Themen.
• Workforce-Planning und Schichtplanung: Die KI prognostiziert den Personalbedarf auf Basis von Auftragslage, Saisonalität und historischen Daten und schlägt optimierte Einsatzpläne vor.
Wichtig: KI im Personalwesen unterliegt strengen Datenschutzanforderungen. Der EU AI Act klassifiziert viele HR-Anwendungen als Hochrisiko-Systeme, die besondere Transparenz- und Fairness-Standards erfüllen müssen.
KI ergänzt, ersetzt aber nicht den Menschen
KI-Systeme können Daten schneller auswerten, Muster erkennen und Vorschläge machen. Die eigentliche Entscheidung bleibt jedoch bei dir als Mensch, der Kontext, Unternehmenskultur und individuelle Situationen berücksichtigen kann. KI kann dir als HR-Profi im Mittelstand daher als Assistenzsystem dienen, ist aber kein Ersatz für ein persönliches Urteil und den direkten Dialog mit Mitarbeitenden.
HR-Beratung und Tools auf SELLWERK
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